Schritt 2: Digitale Unterstützung der Lagerorganisation
Vorbereitende Aufgaben in der Branchensoftware
Die Lagerartikel werden in der EDV als solche gekennzeichnet und mit Angabe des Lieferanten, der Artikelnummer und der Bestellmenge versehen. Die Zuordnung von weiteren Lieferanten erleichtert einen eventuell notwendigen Lieferantenwechsel und das Führen von Jahresverhandlungen. Im Prinzip ereignen sich im Lager drei Vorgänge:
• die Warenentnahme,
• die Warenrückgabe und
• die Nachbestellung.
Mit Bar- oder QR-Codes auf den Lagerkarten und der Verwendung eines Scanners oder Smartphones lassen sich alle drei Vorgänge digital vereinfachen.
Die Lagerentnahme und -rückgabe
Nach Auftragserteilung wird aus dem Angebot oder der Auftragsbestätigung ein Massenauszug erstellt. Die EDV erkennt darin die Lagerartikel und trennt diese von der Bestellware. Für die weitere Vorgehensweise gibt es zwei Möglichkeiten:
• Es kann ein Dokument „Lagerentnahme“ erzeugt werden. Die Einkaufssumme dieses Dokuments kann für die Baustellenbelastung verwendet werden.
• Alternativ kann auf Basis dieses Dokuments das Material im Lager mit Hilfe eines Scanners zusammengestellt (kommissioniert) werden. Als Ergebnis entsteht ein neues „Lagerentnahme“ Dokument, das für die Belastung der Baustelle verwendet wird.
Die zweite Methode kommt zwingend zum Einsatz, wenn es im Angebot statt einer konkreten Auflistung des benötigten Materials nur eine pauschale Position „Installationsmaterial“ oder „Kleinmaterial“ gibt. Auch im Kundendienst liegt im Regelfall kein Massenauszug vor. Hier gibt es mitunter nur eine überschlägige Materialzusammenstellung oder gar nur eine handschriftliche Notiz. Bei der Rückgabe von nicht verbrauchten Materialien wird der gleiche Weg eingeschlagen – nur mit Eingabe einer negativen Menge. Es entsteht also eine negative Lagerentnahme und die Baustelle wird entlastet.
Einfache Nachbestellung von fehlendem Material
Die Nachbestellung ist per Scanner besonders einfach. Der Lagerbestand wird regelmäßig per Sichtkontrolle überprüft. Ist die auf der Karte angegebene Mindestmenge unterschritten, wird das Produkt erfasst. Da in der Branchenlösung der Lieferant und die Bestellmengen hinterlegt sind, kann die Bestellung sehr einfach ausgelöst werden.
Wenn man sich den Weg ins Lager sparen will
Wer vom Schreibtisch aus wissen will, von welchem Material wieviel vorhanden ist und was gegebenenfalls nachbestellt werden sollte, muss auch den Wareneingang buchen. Dieser Vorgang bedeutet zusätzlichen Aufwand und hier scheiden sich die Geister.
Die einen wollen sich den Aufwand sparen, weil sie meinen, dass auch bei einem geschlossenen Lager die Mengen nie zuverlässig stimmen. Sie verweisen auf den im Großhandel oft gehörten Satz: „Davon müssen noch drei Stück da sein, ich gehe mal schauen, ob das so ist!“. Die anderen halten den Aufwand für unerlässlich, weil nach ihrer Auffassung ein digital unterstütztes Lager ohne Suchzeiten nur so funktionieren kann. Die Entscheidung muss jeder selber treffen.
Der Kunde will ein Angebot – und zwar schnell
Zu den Hauptklagen über das Handwerk gehört, dass man als Kunde ewig auf ein Angebot warte. Wer beim Angebot viel
Zeit mit der kleinteiligen Auflistung von Installationsmaterial verbringt, vergeudet nicht nur wertvolle Zeit. Er macht das Angebot für den Endkunden unübersichtlich und verschafft damit Mitbewerbern einen Vorteil. Hier ist es in der Regel sinnvoll mit Pauschalen zu arbeiten.
Da die Summen des Kleinmaterials oft beträchtliche Größen annehmen, sollten die Pauschalen im Nachgang im Rahmen der Abrechnung kontrolliert werden. Nur so kann man Erfahrungen sammeln, um die Pauschalen halbwegs passend anzusetzen. Dafür wird das Material, das aus dem Lager entnommen wird, exakt erfasst und der Baustelle zuordnet. Zusammen mit dem Wert der speziell bestellten Artikel sind die Materialkosten sehr exakt zu bestimmen. Falls die Abrechnung nach Aufwand erfolgt, kann so sichergestellt werden, dass alles was verbaut auch berechnet wird. Dabei kann die Lager-Organisation mit EDV sehr unterstützen.